3. Vorspeise - Funktionieren und ganz viel Ruhm
Shownotes
3. Vorspeise aus unserer Reihe - Funktionieren und ganz viel Ruhm - ACHTUNG diese Gerichte sind für Gäste ab 16 Jahren gedacht!
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00:00:07: Herzlich willkommen bei Hörmal.
00:00:09: Wie kann ich dich heute glücklich machen?
00:00:12: Guten Tag.
00:00:14: Ich wollte mal nachfragen.
00:00:17: Letztes Jahr im Frühling und Sommer kam hier immer was Leckermenü und im Herbst dann nicht.
00:00:30: Seitdem bin ich am Warten.
00:00:34: Meinen Sie unser Menü funktionieren und ganz viel ruhen?
00:00:38: Haben Sie doch was?
00:00:40: Oder ist es jetzt mittlerweile schon aus?
00:00:43: Ich habe gute Neuigkeiten für Sie.
00:00:45: Was lange wert, wird endlich gut.
00:00:48: Und wir freuen uns Ihnen nun, die dritte Vorspeise unseres Menüs funktionieren und ganz viel rum zu präsentieren.
00:01:15: Tina Wegener, geborene Schneider, erblickte im Sommer in Berlin-Schalottenburg das Licht der Welt.
00:01:24: Drei Jahre später wurde Tina's Schwester Anja geboren und vervollständigte damit das Familienglück.
00:01:30: Im Jahr n.h die Familie von Schalottenburg zog in eine gemütliche Altbauwohnung nahe der Station Westhaven.
00:01:39: Tina's Vater hatte ihre Mutter überzeugt, nach Moabit zu ziehen, um ihr Glück auf eine Karte zu setzen.
00:01:45: Das kleine Café hatte seit kurzem leer gestanden und die Familie Schneider hatte die Gelegenheit genutzt und erhoffte sich von der Selbstständigkeit ein besseres Leben.
00:01:56: Tinas Kindheit war daher nicht nur von Hausaufgaben oder Spielen mit Freunden, sondern auch bereits in frühen Jahren mit dem Aushelfen im Familiengeschäft geprägt.
00:02:06: Ab ihrem zwölften Lebensjahr arbeitete sie, um sich ihr Taschengeld aufzubessern, neben der Schule fest im Café.
00:02:15: In den letzten Jahren.
00:02:20: In den letzten Jahren.
00:02:24: In den letzten Jahren.
00:02:31: In den letzten Jahren.
00:02:38: In den letzten Jahren.
00:02:44: Dina fiel sofort auf, dass etwas nicht stimmte.
00:02:47: Ihrer Mutter fiel es mehr als schwer zu erklären, warum sie noch nicht im Café war und weshalb ein Notarzt wagen vor ihrem Haus stand.
00:02:56: Ihr Vater hatte in der Nacht einen Schlaganfall erlitten, welchen er Licht überlebt hatte.
00:03:02: Und wie so oft, wenn Einschläge und Stürme den bisherigen Weg unpassierbar machen, wird man vom Leben gezwungen, andere einzuschlagen.
00:03:11: Mit aller Kraft versuchten sie und ihre Mutter das Café am Leben zu halten.
00:03:15: Mit dem Mut der Verzweiflung trat Tina allem entgegen und suchte doch nur nach der verloren gegangenen Sicherheit.
00:03:23: Wenn sie nicht in der Schule war, arbeitete sie im Café oder kümmerte sich um Anya.
00:03:28: Ihre Schwester kam mit dem Schicksalsschlag am schlechtesten zurecht, was sie in unterschiedlichsten Emotionen zum Ausdruck brachte.
00:03:36: Anja begann eine Therapie, zu welcher Tina sie wöchentlich brachte und ihr beistand.
00:03:41: Ihre Schwester hatte sich in ihrem Schmerz mit einem neuen Freundeskreis umgeben, den Tina nicht mochte und ihrer Meinung nach ihre emotionale Unausgeglichenheit Ängste und Anfälle nur zu verstärken schien.
00:03:54: Doch was immer sie versuchte, ihre Schwester mehr ins Café einzubinden, mit ihr für die Schule zu lernen, über ihre Sitzungen zu sprechen, Anja schien sich von ihr entfremden zu wollen.
00:04:06: Mit sechzehn entschied sich Tina gegen das Abitur und begann eine Ausbildung zur Steuerfachfrau.
00:04:12: Sie dachte, so könne sie ihre Kenntnisse neben der Gastronomie vervollständigen.
00:04:17: Zunächst hatten sie versucht mit Aushilfen und angepassten Öffnungszeiten das Café durchzubringen, dann mit Catering auftreten.
00:04:25: Doch egal, wie sehr sie sich bemühten und wie viel Schweiß und Tränen Tina mit einfließen ließ, an ihrem achzehnten Geburtstag schlossen sich die Türen und somit der Familientrauen.
00:04:37: Der Plan war eigentlich gewesen, dass Tina nach Abschluss ihrer Ausbildung das Café von ihrer Mutter übernehmen sollte.
00:04:44: Die Ausbildung war Bedingung ihrer Mutter gewesen, um zum einen den Papierkram loszuwerden und zum anderen ihrer Tochter eine weitere Möglichkeit, als das von ihr mittlerweile verhasste Café aufzuzeigen.
00:04:57: Doch als Tina kurz vor ihrer Abschlussprüfung stand, eröffnete ihre Mutter ihr kurze Hand, dass sie kein weiteres Interesse an dem Café hätte und zukünftig bei ihrem neuen Freund Bernhard das Marketing in seinem gebraucht Warenhandel übernehmen würde.
00:05:11: Auch Anja hatte Neuigkeiten für die Familie.
00:05:14: Sie wollte nach Köln ziehen, bei dem Vetter ihres Vaters unterkommen und dort ihr Abitur machen.
00:05:20: Zwischen achtzehn und zwanzig schien sich Tinas Leben hauptsächlich darum zu drehen, zu ihrer Schwester nach Köln zu reisen, um dort den wieder auf keimenden schlechten Umgang in sich Anja suchte Einhalt zu gebieten oder in das nähergelegende Brandenburg, wo sich ihre Mutter mit dem nun aktuellen Freund Stefan niedergelassen hatte und in seinem Logistikbetrieb arbeitete.
00:05:41: So pendelte Tina also hin und her zwischen Therapie- und Schulabbrüchen und routinierten Trennungen, die von schwülstigen und leider oft sexuell aufgeladenen Wiedervereinigungen zwischen Tinas Mutter und ihren wechselnden Partnern vollzogen wurde.
00:06:09: Weiterhin investierte sie alles ersparte, inklusive der Auszahlung ihrer privaten Rentenversicherung, in den Traum ihres Freundes einen Bootsverlei in Kroatien zu eröffnen.
00:06:21: Sie hatten vor, ein baufälliges Haus nahe dem Wasser zu kaufen und so dem freudlosen, bürgerlichen deutschen Leben zu entfliehen.
00:06:29: Da ihre Mutter keinen Grund dafür gesehen hatte, ihre Tochter im Vorfeld einzubeihen, standen sie im mütterlichen Schlafzimmer, während sie ihr Schmachten von Björn Zvitalen stärken – und dies leider sehr genau – und nicht nur von ihren Plänen erzählte, während im Hintergrund George Michael I Want Your Sex Leaf, was Tinas Nackenhaare bis heute aufstellt und sie Ekel in der Magengrube entfaltet, wenn sie auch nur an Wham dachte.
00:07:04: Nach mehreren Wochen des Grübelns hatte sie sich entschlossen, statt zwischen Köln bzw.
00:07:10: Hamburg, der ihre Schwester das Studienfach und den Therapieplatz gewechselt hatte, und mittlerweile Kroatien zu pendeln, sie so viel Entfernung wie möglich zwischen sie und ihre verbliemene Familien bringen sollte.
00:07:23: So krakselte sie ein paar Monate später den Tafel Berg herab und wurde dabei in tiefstem Bayerisch darauf hingewiesen, dass ihr Schnülsenkel sich geöffnet hatte.
00:07:33: Leo war nicht nur gerade nach Berlin gezogen, der Berufsfeuerwehrmann wollte ebenfalls Raum zwischen sich und seine Mitbewohner bringen, weshalb er eine Reise nach Südafrika angetreten hatte.
00:07:45: Und irgendwie schien es das gewesen zu sein.
00:07:48: Sie standen sich an den Füßen des Trafelbergs gegenüber und wussten beide in diesem Moment, dass sie etwas Besonderes gefunden hatten, von dem sie nicht einmal wusste, dass es ihnen gefehlt hatte.
00:08:10: Endlich schien alles Sinn zu ergeben und die folgenden Jahre schliffen sich in ihrer schönen und wahrhaftigkeit Augenblick um Augenblick immer tiefer in Tinas Herz, doch umso tiefer der Fall.
00:08:24: Ungläubig, taub und wie durch Milchglas wirkte die Welt auf Tina, als ein Arzt ihr nach einem eigentlichen Routine-Eingriff mitteilte, dass Leo auf dem Opetisch sein Leben gelassen hatte.
00:08:38: der schlimmste Moment in ihrem Leben.
00:08:41: Worin sie sich sehr sicher war, dass dies die unangefochten Nummer eins bleiben würde, war der Moment, als sie ihren beiden Kindern erklären musste, dass ihr Vater aus dem Krankenhaus nicht mehr zurückkommen würde.
00:08:56: Die kommenden Jahre waren eigentlich mehr ein Reagieren auf alles, was sich vor ihr auftürmte.
00:09:02: Sie musste sich darum kümmern, aus der nun zuteuren Wohnung in eine kleinere umzuziehen.
00:09:08: Allein sich mit dem Immobilienmarkt auseinandersetzen zu müssen, ließ Tina gefühlt zehn Jahre altern.
00:09:14: Neben ihrem regulären hatte sie seitdem mindestens einen Nebenjob.
00:09:19: Dabei ging es ihr weder um die Tätigkeit oder ihre eigenen Bedürfnisse.
00:09:24: Wenn sie als Küchenhilfe, Kurierfahrerin, Reinigungskraft oder Verkäuferin am Großmarkt in einem funktionierenden Zeitfenster für ihre Kinder arbeiten konnte, tat sie es.
00:09:36: Im Nachhinein hätte Tina den Brief ihrer Mutter lieber nicht geöffnet.
00:09:40: Doch leider wusste sie es nicht besser und machte sich daher nach einigen Tagen Kopfzerbrechen, auf die Einladung nach Kroatien zu folgen, wo sie auch ihre Schwester vorfand.
00:09:52: Anya hatte nach ein paar Entscheidungsschwierigkeiten, Annahme und Abbrüchen, was ihre Universität und Kurswahl belang, sich auf BWL und Passau eingeschossen.
00:10:03: Zufällig das, was sie jeder in ihrem neuen Umfeld interessant zu finden schien.
00:10:08: Wo früher Klangschalen, Heilkunde oder auch die Medienwelt eine Rolle gespielt hatten, waren es nun die Yuppies.
00:10:15: Wodurch das Gespräch dazu führte, dass Anja bei ihrer Mutter ins Geschäft einsteigen würde.
00:10:21: Also natürlich erst, wenn sie das Studium beendet hätte.
00:10:24: Was jedoch nicht so einfach sein würde, denn ihre Mutter war Pleite.
00:10:30: Und Tina sollte einspringen, um den Karren, vor dem Tina ihre Mutter bereits gewarnt hatte, dass er schrott sei, bevor sie nach Kroatien gezogen war, wieder aus dem Dreck ziehen.
00:10:41: Sie, in ihrer Situation, sollte mit einem Kredit die Firma retten, um mit ihren beiden Kindern in das noch immer baufällige Gemäuer von einem Haus zu ziehen.
00:10:52: Auf der Rücktour dachte Tina darüber nach, ob es wohl das letzte Mal gewesen sei, dass sie Kroatien gesehen hatte.
00:10:59: Davon abgesehen, dass sie nach dem zurückliegenden klären Gespräch die Tür zwischen sich und ihrer Familie mehr als deutlich zugeschlagen hatte, gefiel ihr Kroatien als Ort eigentlich recht gut.
00:11:22: Sie würde größtenteils am Wochenende oder aushilfsweise unter der Woche, wenn es ihr Vollzeitjob zuließ, einplanen.
00:11:29: Früh, spät oder Nachtschicht machten es möglich.
00:11:33: Doch wie es manchmal so ist, wenn man gerade das Gefühl hat, dass sich nun alles etwas eingespielt hat, fallen einem andere Dinge auf, die einem Kopfzerbrechen bereiten.
00:11:43: Nachbarn, Bekannte, die anderen Mütter, niemand schien sich zu schade dafür, ihr ihre Unzulänglichkeiten aufs Boot zu schmieren.
00:11:51: Dies waren den meisten Fällen bestimmt nicht einmal böse gemeint.
00:11:55: Aber dennoch füllte sie einen tiefen Stich, wenn sie darauf aufmerksam gemacht wurde, dass die Kinder ihr auch einen männlichen Einfluss bräuchten.
00:12:03: Sie bei ihrem ganzen Stress natürlich nicht am St.
00:12:06: Martins Umzug Zeit hätte oder sie es einfach mal ruhig angehen sollte.
00:12:11: Sich mehr entspannen.
00:12:13: Dann würde bestimmt auch ein neuer Papa nicht lange auf sich warten lassen.
00:12:17: Kommentare, die ihr dabei durch den Kopf schwammen, schluckte sie hinunter und setzte alles daran, sich frei zu schaufeln und die erste der Eltern beim Umzug zu sein.
00:12:27: Doch der Gedanke, ob sie ihren Kinder ohne eine Beziehung zu einem Partner etwas vorenthielt, plagte sie dennoch.
00:12:35: Bis auf zwei sehr gezwungene Verkupflungsversuche führte Tina bis zu den Jahren.
00:12:42: So richtig schimpfen, konnte sie jedoch auch nicht darauf, da Roland, die Nummer drei der vermittelten Blinddates, ein Treffer war.
00:12:50: Ein bodenständiger, ruhiger Typ, der weiß, was er mochte.
00:12:54: So war er beschrieben worden.
00:12:56: Und soweit weg war die Beschreibung von ihm auch gar nicht gewesen.
00:12:59: Auch Kinder lieb kam hinzu, was am Schluss wahrscheinlich tatsächlich das Eis gebrochen hatte.
00:13:05: Seine Stabilität schienen für sie und ihre kleine Familie genau das Richtige zu sein und taten ihr gut.
00:13:12: Darin jedenfalls waren sich Nachbarn, Arbeitskollegen, andere Mütter sowie ihre Verwandten, die man wie es schien, nur schwerlich dauerhaft aus dem Leben werfen konnte, einig.
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